Das legendäre Per Mertesackers Eistonnen Interview mit dem ZDF und seine Hintergrundgeschichte

Der Spieler ohne Talent

Nach eigener Aussage wurde dem Nationalspieler Per Mertesacker wenig bis gar kein Talent in die Wiege gelegt. In der Tat wird man auf YouTube oder anderen Plattformen wenig bis gar keine Clips finden, in denen Per Mertesacker spektakuläre Dribblings abliefert, Traumpässe über 40 Meter in den Lauf spielt oder spektakuläre Tore erzielt. Per Mertesacker ist eigentlich ein Gegenentwurf des modernen Fußballers. Mit seiner Spielweise hätte er eher in die Riege der deutschen Rumpelfußballer aus den späten 90ger Jahren und den ersten Jahren des neuen Jahrtausends gepasst. Doch Per Mertesacker war keineswegs uninspiriert oder ideenlos. Nein, er machte lediglich seinen Job. Meist ruhig, selten risikobereit, dafür immer konzentriert und im Sinne der Mannschaft und des Erfolgs agierend. Seine Physis als langer dünner Mann von einer Körpergröße von knapp 2 Metern gab nicht viel her für geschmeidige Bewegungen. Er wirkte auf dem Platz wenig spritzig. Seine langen Beine brachten ihn auch ohne hohe Schrittfrequenz innerhalb der Zeit ans Ziel. Er galt jedoch aufgrund dieses Bewegungsablaufes nicht unbedingt als der schnellste Spieler, doch Bild täuscht. Seine Art als Mensch, ein eher nüchterner Niedersachse war auf dem Fußballfeld wiederzufinden. Per Mertesacker stand für Schnörkellosigkeit, Ordnung und Disziplin. Tugenden, die bereits in der Kiste der aus der Mode gekommenen Attribute wähnte. Doch Per Mertesacker erfand diese Tugenden neu und brachte sie gewinnbringend in die Mannschaften ein, für die er spielte. Hierin bestand sein wahres Talent, für das er gefeiert wurde, sei es im Nationalteam wo man 10 Jahre lang auf seine Dienste gesetzt hatte, oder beim FC Arsenal in London, für den er zuletzt gespielt hatte. Gerade bei den englischen Fans hat er mit seiner Art Kultstatus erlangt. Eher unfreiwillig erlange er bei der WM 2014 Kultstatus, als das legendäre Per Mertesacker Eistonne Interview entstand.

Entstehungsgeschichte – Phoenix aus der Asche

Als Per Mertesacker im Jahr 2004 bei der Nationalmannschaft debütierte, stand das Team vor einem kompletten Umbau. Das Trainer-Gespann Klinsmann-Löw setzte auf neue Spieler und versuchte, dem Team ein neues, den Zeichen der Zeit entsprechendes Gesicht zu verpassen. Spieler wie er, Schweinsteiger, Podolski und Co prägten gemeinsam über Jahre das Gesicht des Teams mit dem Adler auf der Brust. In den Anfängen hatte gewiss niemand zu hoffen gewagt, dass hier einmal ein sehr erfolgreiches Team zusammenwachsen würde. War man doch immer noch in der Agonie der Jahre davor gefangen, als der deutsche Fußball international kaum vorzeigbar war und eher mitleidig belächelt wurde. Ehemalige Gegner, mit denen man sich zu den Glanzzeiten historische Duelle auf Augenhöhe hat liefern können, fertigten das DFB-Team regelmäßig mit demütigen Klatschen ab. Die letzte Klatsche dieser Art war das 1:4 gegen Italien in Florenz im März des Jahres 2006. Das als Fiasko von Florenz in die Analen eingegangene Spiel war als Vorbereitung für die WM im eigenen Land gedacht. Man wollte eine Standortbestimmung bekommen, da man ja ohne Qualifikationsspiele auskommen musste.

Das Spiel war eine Ernüchterung. Entsprechend gering waren auch die Erwartungen an das Team bei der WM im eigenen Land. Niemand traute dem zudem auch noch unerfahrenen deutschen Team sonderlich viel zu. Auch das Trainer-Gespann Klinsmann und Löw war zu diesem Zeitpunkt richtig einzuordnen. Gerade weil niemand auch nur einen Pfifferling auf Klinsis Kindergartentruppe gesetzt hatte, war die freudige Überraschung groß. Die Männer um den damaligen Kapitän Michael Ballack brannten ein Feuerwerk der Spielfreude, Offensivität und Leidenschaft ab. Niemand hatte jemals eine deutsche Mannschaft so schön spielen sehen. Der deutsche Fan, der darbend die vorherigen Jahre hat verbringen müssen, wurde beschenkt, ja, er wurde regelrecht beglückt. Der dritte Platz bei dieser WM war ein so unfassbar kostbares Geschenk, dass die Mannschaft die geringen Erwartungen übererfüllt hat. Es folgten die WM 2010 in Südafrika, zwei Europameisterschaften und die WM 2014 in Brasilien. Bei den Turnieren davor hieß es wieder, mit der deutschen Mannschaft sei wieder zu rechnen, teilweise wurde sie sogar als Mitfavorit gehandelt. Dass es mit dem ganz großen Wurf nicht funktioniert hat, wurde der Mannschaft verziehen. Zu sehr erfreute man sich am schönen Spiel der Männer im DFB-Dress. Spätestens aber bei der WM 2014 musste endlich ein Titel her. Die Spieler der Generation Sommermärchen waren auf ihrem Zenit und möglicherweise darüber hinaus. Ein gewisser Druck lastete daher auf dem Team und mit Sicherheit bei denen, die wussten, dass dies ihr letztes großes Turnier sein würde.

Turnierverlauf bis zum Per Mertesacker Eistonne Interview.

Die Vorrunde begann furios. Mit einem absolut verdienten 4:0 wurde Portugal um den in diesem Spiel komplett wirkungslosen und unglücklich agierenden Superstar Christiano Ronaldo abgefertigt. Es folgte das hart umkämpfte aber verdiente 2:2 gegen Ghana. Der Gegner hat den deutschen alles abverlangt und schonungslos die Schwächen in der Defensive aufgezeigt. Doch war das Ergebnis kein Grund, nervös zu werden. Im letzten Gruppenspiel kam es zum Trainerduell zwischen Löw und Klinsmann. Klinsmann, der einst gemeinsam mit Löw das neue deutsche Team aus der Taufe gehoben hatte, fungierte zu diesem Zeitpunkt als Nationaltrainer der USA. Die US-Boys traten denn auch mutig an. Klinsmanns Handschrift war durch den mutigen Hurra-Stil der US-Amerikaner deutlich wieder zu erkennen. Mit der Souveränität eines Teams, das mittlerweile zu einem absoluten Spitzenteam herangereift war, gelang der knappe aber verdiente 1:0 Sieg gegen ein Team, das bis in die Haarspitzen motiviert angerannt ist. Der Gruppensieg war somit letztlich routiniert unter Dach und Fach gebracht worden. Die Erwartungen an das Team waren immens.

Am 30. Juni sollte in Porto Alegre im Süden Brasiliens das erste KO-Spiel für das DFB-Team stattfinden. Der Gegner, Algerien schien mehr als nur ein machbarer Gegner zu sein. Auf dem Papier war das DFB-Team ganz klarer Favorit. Experten der Medien wie auch das mittlerweile erfolgsverwöhnte Publikum vor Ort und in der Heimat an den Bildschirmen diskutierten maximal über die Höhe des erwarteten Sieges. Daheimgebliebene hatten fröhliche Grillabende mit vielen deutschen Toren eingeplant. Auf den Plätzen des Public Viewings wurden Fahnen geschwenkt und in freudiger Erwartung des erwarteten Erreichens der nächsten Runde Party gemacht. Es folgte jedoch ein sehr mühsames und zähes Spiel gegen leidenschaftliche Algerier. Dieses Spiel endete mit Mühe und Not 2:1 nach Verlängerung. Was folgte, ist das bis heute unvergessene Per Mertesacker Eistonne Interview mit dem ZDF, für das er eigentlich gar nicht vorgesehen war. Da jedoch Khedira und auch Müller nicht zur Verfügung standen, wurde ihm das Mikrophon unvermittelt unter die Nase gehalten.

Die Sicht eines Spielers kurz nach Abpfiff

Ein Spieler, der 120 Minuten absolviert hat und als wenn auch glücklicher Sieger vom Platz geht, freut sich zunächst einmal über das Erreichte. Er ist in diesem Moment ausschließlich Teil eines Teams, das gemeinsam gewonnen hat. Die Art des Zustandekommens wird in solchen Momenten nicht nüchtern oder sachlich analysiert. Der Spieler freut sich lediglich über die Tatsache, dass er alles gegeben hat und dass dieses alles ausgereicht hat, um den Gegner in die Schranken zu weisen. Möglicherweise jedoch hat Per Mertesacker zu diesem Zeitpunkt bereits gewusst, dass es auch der so genannten dreckigen Siege bedarf, um einen großen Titel zu erreichen. Nur so ist sein Wortlaut zu erklären, als er den Reporter Boris Büchler sinngemäß vor die Wahl stellte, ob er eine schön spielende oder erfolgreiche Mannschaft sehen wolle. Man merkte Per Mertesacker in diesem Moment an, dass es ihm leid war, für schönen Fußball gelobt zu werden, ohne jedoch am Ende zählbares in Händen halten zu können. Diese Stimmung dürfte im ganzen Team geherrscht haben.

Die Mannschaft rückt zusammen

Ob das Per Mertesacker Eistonne Interview als Initialzündung angesehen werden kann, sei einmal dahingestellt. Es lässt jedoch erkennen, dass die Mannschaft den unbändigen Willen hatte, den Titel zu holen. Man wollte nicht länger nur Deutschlands Lieblinge sein, denen auch ohne Pokal stets ein triumphaler Empfang bereitet wurde. Diesmal wollten sie den Pokal endlich vorzeigen. In diesem Interview hatte er genau dies zum Ausdruck gebracht. Er hat sich vor die Mannschaft gestellt und sich damit als wichtige Säule erwiesen. Von seinen Mitspielern wurde er dafür gefeiert. Nicht nur, weil das Interview für Heiterkeit gesorgt hat, sondern weil es die Stimmung in der Mannschaft widergespiegelt hat. Jeder einzelne hat sich mit Mertesackers Worten absolut identifizieren können.

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Uwe
Hallo zusammen, ich heiße Uwe. Fußball spiele ich jetzt zwar schon seit einigen Jahren nicht mehr, doch dafür gehe ich umso lieber ins Stadion. Ich schreibe auf Fußball Früher über die Geschichte des Sports und die Spieler, die ihn so großartig machen. Ich freue mich immer, wenn ich meine Leidenschaft mit anderen teilen kann. Denn Fußball ist vor allem eines: Teamsache!

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