Der Zidane Kopfstoß – Skandal und Objekt zahlreicher Spekulationen

Es war die Fußball WM 2006 in Deutschland. Beim so genannten Sommermärchen wurde Fußball nicht nur auf, sondern gerade auch neben dem Platz zelebriert wie schon lange nicht mehr. Wochenlang herrschte nicht nur Sonnenschein, sondern auch eine großartige Stimmung im Land. Aus sportlicher Sicht schnitt der Gastgeber besser ab, als geplant, zur Final-Teilnahme reichte es für das DFB-Team letztlich noch nicht. Fußball-Deutschland beschäftigte sich von nun an mit den beiden Finalteilnehmern. Italien – die Weltmeister der Minimalisten hatten sich mehr schlecht als recht durch die Vorrunde gewurschtelt. Auch die KO-Spiele waren bis zum Halbfinale wenig überzeugend gewesen. Doch ausgerechnet gegen den Gastgeber zeigten die Azzuri einmal mehr ihre Erfahrung und ihre Fähigkeit, zum richtigen Zeitpunkt ihre Leistung abrufen zu können. Frankreich hatte sich in der Vorrunde ebenfalls nicht wirklich mit Ruhm bekleckert. Als Gruppen-Zweiter hinter der Schweiz erreichte man die KO-Spiele. Doch nun sollte ein Weltstar noch einmal zu später Blüte gelangen: Zindedine Zidane – immerhin bereits im hohen Alter für Kicker auf diesem Niveau – zeigte in allen folgenden Partien seine Extra-Klasse.

Gegen damals bereits erstarkende Spanier gelang ihm der Treffer der das Spiel letztlich zum 3:1 für les Bleues entschied. Im folgenden Viertelfinale gegen seinen Lieblingsgegner Brasilien gelang ihm auf unnachahmliche Art und Weise der Assist zum entscheidenden 1:0. Im Halbfinale besorgte Zizou höchstselbst das entscheidende 1:0. Durch die überragende Art und Weise wie er seine Farben ins Finale geführt hatte, war ihm bereits vor dieser denkwürdigen Partie in Berlin die Wahl zum most valuable player also dem wertvollsten Spieler des Turniers sicher.

Er hätte sich also selbst erneut die Krone aufsetzen können. Wie bereits im Jahre 1998 war er es, der den Unterschied ausmachen konnte – ja sollte. Denkwürdige Spiele sind oftmals Duelle zweier Protagonisten. Derjenige, dessen Team als Sieger vom Platz geht, ist der strahlende Held, der in die Geschichte eingeht. Derjenige, dessen Team verliert, geht leer aus und reiht sich ein in die Riege der unglücklichsten Verlierer aller Zeiten. Lange Zeit so schien es, waren diese Rollen im Verlaufe des Spiels bereits vergeben. Denn bereits in der 7. Minute dieses Finales gelang Zinedine Zidane ein Geniestreich, der auch psychologisch nicht ohne Wirkung bleiben konnte. Denn die Art und Weise, wie der Kapitän der Bleus den fälligen Strafstoß verwandelt hatte, sprach für absolute Coolness. Einen Lupfer a la Panenka gegen jemanden Namens Gianluigi Buffon anzusetzen und das in einem Finale um die Fußball-Weltmeisterschaft bringen nur wenige zustande. Dieser Moment war für viele Beobachter zu diesem Zeitpunkt die Schlüsselszene des Spiels. Doch die Entscheidung sollte nicht zwischen dem überragenden und ebenfalls sehr erfahrenen italienischen Schlussmann und Zidane allein ausgetragen werden. Ein anderer Spieler warf auf eine Art und Weise seinen Hut in den Ring, die für immer unvergesslich bleiben wird. Zunächst steuerte er auf sportliche Art und Weise den Ausgleich bei. Dieser Treffer jedoch wäre, so sind sich viele Experten einig, nicht zwingend spielentscheidend gewesen, denn Frankreich war auch weiterhin die dominierende Mannschaft. Nein, es war die 110. Minute. Möglicherweise waren die Franzosen genervt von der destruktiven Spielweise der Elf aus Italien.

Was der Zuschauer wahrnehmen konnte, war folgende Szene: Marco Matterazzi zieht am Trikot von Zidane. Es fallen Worte, Zidane dreht sich ab. Es fallen weitere Worte und es folgt der denkwürdige Kopfstoß. Was folgte, waren Momente voller Ratlosigkeit. Was genau war geschehen? Warum hat sich diese lebende Fußball-Legende zu dieser Tat hinreißen lassen? Viele Spieler und auch Schiedsrichter, in diesem Falle Señor Elizondo, schienen die Szene zunächst gar nicht mitbekommen zu haben.

zidane kopfstoß zidane trikot real madridWild lamentierende italienische Spieler allen voran Gianluigi Buffon forderten jedoch vehement die rote Karte vom Schiedsrichter. Der Argentinier, der die Szene selbst nicht gesehen zu haben schien, war sichtlich überfordert mit der Situation. Nachdem er sich jedoch mit dem vierten Offiziellen beraten hatte, zückte er dann den roten Karton. Es war die bislang 15. in Zidanes Karriere.

Dramatisch und unvergesslich sind jedem Zuschauer und bekennenden Fußballfan die Bilder, die danach um die Welt gingen. Zinedine Zidane, Weltstar, Ausnahemkönner, Magier am Ball beendet sein letztes Spiel für die Equipe Tricolore, indem er vorab des Feldes verwiesen wurde. Vorbei am bereits am Spielfeldrand aufgestellten Podest samt WM Pokal schritt er mit versteinerter Mine in die Katakomben des Olympiastadions in Berlin. Was für ein denkwürdiger und unrühmlicher Abgang! Das Spiel wurde bekanntlich im Elfmeterschießen mit 5:3 für die Italiener entschieden. Was folgte, waren Spekulationen um diesen Zidane Kopfstoß. Wie konnte es zu diesem Wutausbruch kommen? Wie konnte der Italiener ihn dermaßen provozieren? Nicht zuletzt Marco Materazzi selbst feuerte die wilden Spekulationen über das, was er Zidane verbal mitgegeben hatte, immer wieder an. Er soll sogar ein Buch verfasst haben mit dem Titel: „Was ich zu Zidane gesagt haben könnte.“

Schnell machten Aussagen die Runde, nach denen es sich bei diesem berühmten Wortgefecht um die weibliche Verwandtschaft Zidanes gegangen sein soll. Ob es sich nun um seine Mutter gedreht hatte, oder um seine Schwester blieb lange Zeit ungewiss. Zidane selbst hatte sich nicht dazu geäußert. Direkt nach dem Spiel hatte Materazzi jede Schuld oder den Gebrauch unflätiger Worte von sich gewiesen. In einem späteren Statement hatte Materazzi eine sehr stark abgeschwächte Version dessen geliefert, was zwischen beiden vorgefallen war. Der Zeitung Gazetta dello Sport gegenüber hatte er eingeräumt, dass es um Zidanes Trikot und um dessen Schwester gegangen war. Von Begriffen wie Hure oder Nutte war in diesem Interview nicht die Rede.

Erst weitere Zeit später sollte er damit herausrücken, dass er Zidanes Schwester als Nutte verunglimpft habe. Das Geheimnis um den exakten Wortlaut wurde dann jedoch enthüllt. Eine italienische Dozentin an einem Institut für Gehörlose hat den Dialog anhand der Kamerabilder folgendermaßen sinngemäß rekonstruiert: Marazzi greift Zidanes Trikot. Zidane bietet ihm an, es ihm nach dem Spiel zu überlassen. Marazzi äußert sich mehrfach in obszöner Art und Weise über Zidanes Schwester sowie diesen selbst. Begriffe wie Nutte und Schwuchtel (laut Übersetzung) sind gefallen. Marazzi habe Zidane weiterhin gedroht, ihm den Arsch zu spalten – vermutlich eine italienische Redensart.

Zidane quittierte diese Tirade mit seinem bekannten Kopfstoß

Der Zidane Kopfstoß sorgte weit über den Fußball hinaus für Gesprächsstoff und wurde in vielfältiger Hinsicht öffentlich verarbeitet. So wurde ein Pop-Song mit dem Titel Coup de Boule geschrieben. Dieser schaffte es immerhin immerhin auf Platz 1 in Frankreich und Belgien. Selbst in der Schweiz wurde der Song noch auf Platz zwei gehandelt. Auch manche Comic-Illustration handelte vom berühmten Zidane Kopfstoß. Dass zu allem Überfluss jedoch auch noch eine Statue die Szene als Skulptur festhalten sollten setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Vor dem Museum Centre Pompidou errichtete man eine 5 Meter hohe Plastik, die jedoch rasch wieder entfernt wurde. Hier würde die Sportethik verletzt hieß es. In Doha. Wo sie ebenfalls ihren Platz bekommen sollte, wurde sie auch weggeräumt. Diesmal aus religiösen Gründen. Unbestritten ist der Kopfstoß stets in einem Atemzuge mit dem Finale 2006 genannt.

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Malte
Moin, mein Name ist Malte und ich bin Fußball Fan aus Leidenschaft! Ich schreibe auf Fußball Früher als Fan für Fans über den Sport, der mich seit meiner Kindheit begleitet. Mein Herz schlägt für die Fußballkultur. Ich freu mich, dass du diese Leidenschaft mit mir teilst!

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