Die WM 1950 im Zeitgeschehen

Die Fußball Weltmeisterschaft 1950 geizt wahrlich nicht an dramatischen und kuriosen Geschichten. Allein der Zeitpunkt, zu dem diese WM stattfand hatte großen Einfluss auf den Ablauf. Als insgesamt 4. Endrundenturnier fand das Ereignis nach zwei ausgefallenen Austragungen nach dem zweiten Weltkrieg statt. Die Fifa hatte Deutschland und Japan als kriegstreibende Länder vorab ausgeschlossen. Italien, das einen Großteil seines Kaders beim Flugzeugabsturz des AC Turin verloren hatte, reiste gar mit dem Schiff an. Diese Reise dauerte 15 Tage und sollte sich negativ auf den Zustand der Spieler auswirken. Indien indes verweigerte die Teilnahme, da die FIFA ihnen nicht gestatten wollte, ohne Schuhe zu spielen. Ebenso sagten die bereits qualifizierten Schotten und die Türkei ihre Teilnahme ab. Die Schweizer gar nahmen nur teil, weil Brasilien sämtliche Kosten übernahm. Auch die globale politische Situation hatte ihren Einfluss auf das Teilnehmerfeld. So sagten zahlreiche Mannschaften ihre Teilnahme ab, da ihnen die potentiellen Gegner nicht genehm waren. Auch Frankreich und Portugal verweigerten ihre Teilnahme am Endrundenturnier. Zum guten Schluss war auch der Austragungsort selbst ein Ergebnis der Situation jener Zeit. Im vom Krieg noch zerstörten Europa fand sich kein Gastgeberland. Daher beschloss die FIFA auf ihrem Kongress in Luxemburg die WM 1950 in Brasilien auszutragen.

Der Austragungsmodus

So kam es also, dass sich anstatt der geplanten 16 Mannschaften deren nur 13 in Brasilien einfanden, um den Weltmeister unter sich zu ermitteln. Der Turniermodus wurde im Vergleich zu den vorherigen Weltmeisterschaften verändert. Auf Betreiben des Gastgebers Brasilien sollten nicht nur K.o. Spiele stattfinden, sondern erstmals eine Gruppenphase stattfinden. Brasilien wollte somit die Zahl der Spiele künstlich erhöhen, erhoffte man sich davon doch deutlich höhere Einnahmen. Hier sollten in den Gruppen jeder gegen jeden spielen um den Gruppensieger und damit das Teilnehmerfeld in den K.o. Spielen zu ermitteln. Angesichts der Teilnehmerzahl von nur 13 Mannschaften gestaltete sich dies jedoch als schwierig. Die Situation wollte es also so, dass die Vorrunde in 4 Gruppen ausgetragen wurde. Davon hatte eine Gruppe lediglich zwei Teams, eine weitere nur drei und zwei Gruppen hatten 4 Teams. Die Zweiergruppe bestand aus Uruguay und Bolivien. Ohne große Mühe gewannen die Urus mit dem deutlichen Ergebnis von 8:0.

Maracana und Chaos

Neben einigen bis heute unvergessenen Spielern war es ein Stadion, welches zum Star der WM 1950 wurde. Das legendäre Maracana, welches auch heute noch als Tempel des Fußballs gilt, war Austragungsort einiger WM-Spiele und natürlich des Finales selbst. Maracana – dass damals größte Stadion der Welt wurde von Joao Roque entworfen und in der damaligen Hauptstadt Rio de Janeiro errichtet. Mit seinen 200.000 Zuschauerplätzen war es eine gigantische Kulisse und enorme Einnahmequelle. Da jedoch Sicherheits-Vorschriften nahezu unbekannt waren, kam es bei den Spielen regelmäßig zu chaotischen Zuständen. Zuschauer wie Reporter kämpften sich unkontrolliert und unter Gefahr für Leib und Leben ins Stadion. Europäische Reporter berichteten irritiert und in den buntesten Farben von ihren Erfahrungen vor Ort.

Favoriten – nicht alle wurden ihrer Rolle gerecht

Wird heutzutage mit Bild und Ton live von allen Begebenheiten rund um eine Fußball-Weltmeisterschaft berichtet, waren die Fans bei der WM 1950 von Radio-Reportagen und telegrafisch übermittelten Informationen abhängig. So ist es eine kuriose Geschichte, wie die Engländer mit ihrer Niederlage gegen die Underdogs aus den USA umgegangen sind. Das mit Profis gespickte Team von der Insel ist mit ebenso viel Hochmut wie Vorschuss-Lorbeeren nach Südamerika gereist. Das 0:1 wurde aus Ungläubigkeit kurzerhand in den Zeitungen in ein 10:1 umgewandelt. Doch das folgende 0:1 gegen die Spanier besiegelte das Aus und war auch medial nicht zu revidieren. Entsprechend entsetzt reagierte die britische Presse mit bereits damals gängigen Kriegsmetaphern.
Die damals gehandelten Favoriten auf den Turniersieg waren neben den Engländern natürlich die Brasilianer selbst. Doch auch die Uruguayer galten als aussichtsreicher Teilnehmer. Doch als Heimmannschaft waren die Brasilianer am höchsten gehandelt. War es seinerzeit doch fast schon Tradition, dass der Champion aus dem Austragungsland kam.

Euphorie und Vorschusslorbeeren

Die Euphorie, die im Land herrschte, war kaum mehr zu überbieten. Die Spieler, die damals wie heute in höchstem Maße verehrt wurden, hatten damit natürlich auch eine große Bürde zu tragen. Es trug zur Beruhigung der Spieler daher wenig bei, dass bereits vor Anpfiff des Finales der Sieger quasi schon festzustehen schien. Bereits im Vorfeld waren T-Shirts mit entsprechender Aufschrift zu haben. Medaillen aus Gold mit den Namen der Spieler waren hergestellt worden. Niemand schien am finalen Erfolg der Selecao zu zweifeln. Der psychologische Druck auf dem Gastgeber war also immens hoch. Julio Perez, Halbstürmer im Endspiel gab im Nachgang unumwunden zu, dass er sich beim Abspiel der Hymne eingenässt habe. Doch die Ausgangssituation vor dem Finale war zu positiv um Zweifel zulassen zu wollen.

Das Finale der Giganten

Während Brasilien mit Ergebnissen von 6:1 gegen Spanien und einem 7:1 gegen Schweden, damals mit reinen Amateuren angereist, eindrucksvoll seine Klasse unter Beweis gestellt hatte, taten sich die Gäste aus dem Nachbarland auf ihrem Weg ins Endspiel deutlich schwerer. Einem mühevollen 2:2 gegen Spanien folgte ein 3:2 Sieg gegen Schweden nach zwischenzeitlichem Rückstand. Somit genügte den Hausherren um den Stürmer Ademir ein Remis zum Gewinn des Coup Jules Rimet. Doch es kam völlig anders. Vor der extatischen und siegesgewissen Kulisse im Maracana begannen die Brasilianer standesgemäß. Ohne wirkliche Höhepunkte endete die erste Halbzeit 0:0, Brasilien war somit im Soll. Kurz nach Wiederanpfiff gelang Friaca das 1:0. Alles schien gerüstet für die große Party. Doch nach Toren von Schiaffino und Alcides Ghiggia drehte Uruguay das Spiel und wurde mit dem 2:1 Endstand Fußball-Weltmeister im Jahre 1950.

Brasiliens Umgang mit dem Drama

Was folgte, war ein Drama. Bereits während des Spiels verfielen Zuschauer und Reporter in Agonie. Diese war so ansteckend, dass selbst die Anhänger der Urus sich nicht mehr getrauten, ihren Helden zuzujubeln. Die emotional wahrgenommen größte Katastrophe des Landes war eingetreten. Unter den Zuschauern im Maracana gab es 4 Tote zu beklagen. Einer von ihnen hatte sich vor lauter Verzweiflung in die Tiefe gestürzt. Ein Selbstmord, der zeigt, wie sehr die brasilianische Seele getroffen war. Bis heute geht dieses Spiel den Menschen in dem Land zu Herzen. Barbosa, der mit einem Fehler das Tor zum 2:1 Endstand ermöglicht hatte, wurde zum Sündenbock und Unglücksheld gestempelt. Es wurde der Begriff Maracanaço geprägt. Übersetzt bedeutet dies Hammer von Maracana und bedeutet sinngemäß eine unerwartete Niederlage. Dass es 64 Jahre später wieder das Maracana sein sollte, dass eine weitere Metapher hervorbrachte, sei als Kuriosum kurz erwähnt. Denn die im Halbfinale gegen die DFB-Elf um Trainer Löw und Manager Oliver Bierhoff erfahrene 1:7 Niederlage gilt seitdem als Inbegriff für ein Unterfangen, das gründlich missglückt ist. Torwart Barbosa hat Jahre später die Erlebnisse der traumatischen Finalniederlage folgendermaßen kommentiert: Ein Mörder hat 20 Jahre zu erwarten. Ich habe lebenslänglich erhalten. Er selbst hat versucht, das Trauma auf seine Weise zu verarbeiten: Er sicherte sich das Holz der Torpfosten von einst um es zu vernichten. Bei einer Grillfeier eröffnete er seinen Gästen, dass das Fleisch auf eben diesem Holz gegart worden sei.

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Uwe
Hallo zusammen, ich heiße Uwe. Fußball spiele ich jetzt zwar schon seit einigen Jahren nicht mehr, doch dafür gehe ich umso lieber ins Stadion. Ich schreibe auf Fußball Früher über die Geschichte des Sports und die Spieler, die ihn so großartig machen. Ich freue mich immer, wenn ich meine Leidenschaft mit anderen teilen kann. Denn Fußball ist vor allem eines: Teamsache!

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