Die Gegenwart

Auf die Frage was macht Gerd Müller heute gibt es leider derzeit keine Antwort, die für Heiterkeit sorgen kann. Der einstige Bomber der Nation leidet seit 2015 unter der Alzheimer Krankheit und lebt seit einigen Jahren in einem Pflegeheim für Demenzkranke. Seine Frau, die ihm treu zur Seite steht, beantwortet Fragen, wie es Gerd Müller heute geht mit Zuversicht. Es gehe ihm den Umständen entsprechend wohl dort. Er bekommt eine angemessene Pflege und er fühle sich heimisch in der Pflegeanstalt. Ihre Besuche würde Gerd Müller durchaus wahrnehmen. Die Therapie-Methoden, die man ihm dort angedeihen ließe, würde ihm guttun. Natürlich sei der ehemalige Fußball-Weltmeister nicht mehr so wie früher, doch es sei nach wie vor schön, Zeit mit ihm verbringen zu können. Am 3. November 2018 feiert das einstige Idol und Urgestein des FC Bayern München seinen 73sten Geburtstag.

Die Anfänge des Bombers

Gerd Müller wurde am 03. November 1945 in Nördlingen geboren. Seine Wurzeln sind also zunächst einmal keine bayrischen, sondern schwäbische. Als fünfter Sprössling der Eheleute Johann Heinrich und seiner Frau Christina Karoline führte er das Leben eines Jungen, der aus einfachen Verhältnissen stammt. Seine Kindheit war geprägt durch die harten und entbehrungsreichen Nachkriegsjahre. Er absolvierte die Volksschule und erreichte im Jahre 1959 mit 14 Jahren den Hauptschulabschluss. Im Anschluss begann er eine Ausbildung zum Weber. Sein Arbeitgeber hatte seinen Sitz in Nördlingen. Hier spielte er auch für die Betriebsmannschaft. Als er einmal beim Stande von 1:1 zur Halbzeit eingewechselt wurde, gelangen ihm 3 Tore und die Mannschaft gewann das Pokalspiel mit 4:1. Der Grund warum er nicht von Anfang an gespielt hat, war folgender: Wegen Vertragsverhandlungen mit einem gewissen FC Bayern München konnte er erst nach Anpfiff des Spiels von Kollegen abgeholt und zum Austragungsort gebracht werden.

Stationen der aktiven Laufbahn

Gerd Müller begann mit 10 Jahren das Fußballspielen. Sein erster Verein war der TSV 1861 Nördlingen. Gleich zu Beginn seiner Karriere machte er durch die immense Anzahl seiner erzielten Treffer von sich Aufsehen. In der A-Jugend schoss er in einer Saison 180 Tore. Nur 24 weitere Treffer wurden von Mitspielern erzielt. Die Berufung in eine Auswahlmannschaft des Bayrischen Fußball-Verbandes war die logische Konsequenz. Im Erwachsenenalter blieb Gerd Müller zunächst dem TSV 1861 Nördlingen treu. Bereits mit zarten 17 Jahren durfte er im Herrenteam auflaufen. Seine erste Senioren-Saison absolvierte er also in den Jahren 63 und 64. Mit 47 Toren bei gerade einmal 28 absolvierten Spielen war er maßgeblich am Aufstieg seines Vereins in die Landesliga verantwortlich. Es ist selbsterklärend, dass ein solches Talent Begehrlichkeiten weckte. Neben dem benachbarten FC Augsburg war es vor allem der damalige Klassenprimus der Region, der TSV 1860 München, der sich seine Dienste zu versichern versuchte. Doch hier, so befürchtete der junge Gerd, würde es ihm nicht gelingen, einen Stammplatz zu ergattern.

Der lachende Dritte, und der Verein, der sich am meisten bemüht hatte, war der FC Bayern München. In Person von Walter Fembeck, seines Zeichens Vorsitzender des Vereins, wurde man bei Müllers zu Hause vorstellig. Kurz bevor der Rivale aus München mit dem gleichen Ansinnen die Familie Müller aufsuchte, wurde man sich handelseinig. Gerd Müller wurde mit einem Vierjahresvertrag beim FC Bayern München ausgestattet. Die Ablöse betrug damals 4.400 DM. Müller hatte ebenfalls die Möglichkeit, halbtags bei einem Münchner Möbelhändler einer normalen beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Beim FC Bayern München, die er gleich zu Beginn seines Engagements dort in die erste Bundesliga schoss, hielt es ihn 15 über allen Maßen erfolgreiche Jahre. Hier wurde er auch am 12.10.1966 zum Nationalspieler. Der Nationalmannschaft blieb er treu bis zum Jahre 1974. Als Weltmeister und nur 28 Jahre jung beendete er als ewiger Rekordtorschütze seine Zeit im DFB-Dress. Seine letzte Station als aktiver Spieler waren die Fort Lauderdale Strikers. Für die Mannschaft in den USA spielte er bis zum Jahr 1981. Ein zwischenzeitlicher beabsichtigter Wechsel zum TSV 1860 München kam nicht zustande. Als Profi in den USA befand er sich seinerzeit in guter Gesellschaft, denn die Nordamerkanische Profiliga beschäftigte viele ehemalige Größen des Weltfußballs.

Der schwere Weg in ein Leben nach dem Fußball

Es spricht für den FC Bayern München und seine damaligen Spieler und heutigen Granden Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge dass sie sich bald schon fragten: Was macht unser Freund Gerd Müller eigentlich heute? Denn es ging ihm eine Zeitlang gar nicht gut. Mit seiner Frau Uschi hatte er zunächst ein Restaurant eröffnet. Doch das Gerd Müller´s Ambry, ein Steakhouse mit traditioneller deutscher Küche war eher eine Anlaufstelle für deutsche Touristen. Als gastronomische Adresse wurde es insbesondere von den Einheimischen nicht wahrgenommen. Gerd Müller musste als Fotomotiv fungieren und tat sich schwer damit. Vermutlich wurde sein schleichender Hang zum Alkohol bereits hier in die Wege geleitet. Deutlich zu Tage treten sollte sein Alkohol-Problem jedoch erst nach der Rückkehr nach München. In Jahren des Nichtstuns ohne sinnvolle Aufgabe verbrachte der einstige gefeierte Fußballstar viel Zeit in Gaststätten. Der Alkohol wurde sein ständiger Begleiter. Das blieb nicht lange verborgen und in der Tat waren es seine Weggefährten aus ruhmreichen Tagen, die ihm den Weg heraus aus diesem Teufelskreis ebnen sollten. Nach erfolgreichem Entzug schaffte Gerd Müller den Sprung zurück ins Leben. In diversen Tätigkeiten beim FC Bayern München fand er die Nähe zu seinem Sport und eine Aufgabe für sein weiteres Leben.

Gerd Müller – das Phänomen

Der so genannte Bomber der Nation hat unzählige Rekorde aufgestellt, die bis heute ungebrochen sind. Experten der heutigen Zeit analysieren unter Anwendung modernster Techniken, ob er auch heute noch so erfolgreich sein würde. Es ist die Rede vom deutlich athletischen gewordenen Fußball und eine völlig andere Ausprägung seiner Rolle als Stürmer in heutigen Spielsystemen. Dem kann jedoch entgegengehalten werden, dass wo immer er seine erste Saison spielte, er es geschafft hat, ohne Anlaufschwierigkeiten gleich in seiner ersten Saison eine exorbitante Quote erzielt hat. Er hat zwei Mannschaften gleich in seiner ersten Saison zum Aufstieg geschossen.
Er hat selbst in der Nationalmannschaft gleich bei seinem zweiten Einsatz gar 4-mal getroffen. Er hat bei nur zwei WM-Endrunden 14 Tore geschossen. Das hat vor und nach ihm nie wieder jemand geschafft.

Wahre und unwahre Mythen

Der legendäre Trainer Tschik Cajkosvsik hat ihn dabei beobachtet, wie er sich am Mittagstisch eine zweite Portion genehmigen wollte. Er nahm ihm den Teller weg sinngemäß mit den Worten: Dickes kleines Müller, nicht sehen kann Ball, wenn unter Bauch! Neben dem Spitznamen kleines dickes Müller brachte ihm diese Szene auch einen Gewichtsverlust von 12 KG.
Während der Feierlichkeiten zum WM-Sieg 1974 soll er aus Protest gegen den Ausschluss der Spielerfrauen aus der Nationalmannschaft zurückgetreten sein. Tatsächlich stand dieser Entschluss jedoch weit früher bereits fest.
Als Co-Trainer arbeitete er mit Hermann Gerland zusammen. Als dieser ihn in Bochum ausführte, stellte Müller fest, dass er nirgendwo hatte zahlen müssen. Er führte dies auf Gerland´s Prominenz zurück. Tatsächlich jedoch war es seine Person, die die Gastronomen dazu brachte, beide als Gäste zu behandeln.

Der größte Sieg

Gerd Müller betrachtet seinen erfolgreich gefochtenen Kampf gegen den Alkohol als seinen größten Sieg – noch größer als die WM 1974.

 

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Uwe
Hallo zusammen, ich heiße Uwe. Fußball spiele ich jetzt zwar schon seit einigen Jahren nicht mehr, doch dafür gehe ich umso lieber ins Stadion. Ich schreibe auf Fußball Früher über die Geschichte des Sports und die Spieler, die ihn so großartig machen. Ich freue mich immer, wenn ich meine Leidenschaft mit anderen teilen kann. Denn Fußball ist vor allem eines: Teamsache!

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