Einer der letzten Typen

Michael Ballack war einer der letzten seiner Spezies. Er war ein Spieler, auf den das Konzept der Mannschaft zugeschnitten wurde. Während heute Spieler sich eher dem Konzept anpassen, war er einer der wenigen Individualisten, die es im modernen Fußball zu bestaunen gab. Als solcher verschaffte er sich auch außerhalb des Platzes Gehör, was nicht unbedingt immer jedem gefallen haben mag. Ganz unbestritten jedoch sind die Führungsqualitäten, die er an den Tag legte. Mitspieler mitzureißen vor allem durch das eigene Vorbild war das, was ihn ausmachte. Es liegt jedoch in der Natur der Sache, dass ihm dabei der eine oder andere Fehler unterlaufen ist. Der folgenschwerste war wohl sein Eigentor am 20.05.2000 gegen Unterhaching. Mit diesem Treffer auf der falschen Seite leitete der damals erst 23jährige die Niederlage und damit das Nicht-Erreichen der deutschen Meisterschaft mit Bayer Leverkusen ein. Ballack, der noch zu DDR-Zeiten das Fußballspielen gelernt hat, war die personifizierte Wiedervereinigung Deutschlands zumindest was den Fußball anbelangt. Gemeinsam mit seinem Kumpel Torsten Frings verkörperte er in der Nationalmannschaft noch das System klarer Hierarchie.

Dieser folgend mussten sich junge Spieler erst einmal mit Leistung hervortun um sich mit den etablierten an einen Tisch setzen zu dürfen. Diesen Status hat er sich jedoch im Laufe der Jahre durch unbändigen Willen und absolute Hingabe hart erarbeitet. Unvergessen sein Freistoß zum erzitterten 1:0 gegen Österreich bei der dortigen EM im Jahr 2008, den er mit einer Entschlossenheit und mit einer Geschwindigkeit in die Maschen jagte, die keine Zweifel hinterließen. (gemessen wurden seinerzeit 121 km/h) Mit seinem Foul im Mittelfeld im Halbfinale der WM im Jahr 2002 holte er sich ebenfalls gegen den Mit-Gastgeber, diesmal Südkorea einen Platzverweis du damit eine Sperre im Finale gegen Brasilien ab. Im Anschluss sorgte er mit seinem Treffer zum 1:0 hatte er selbst dieses Finale ermöglicht. Mehr Hingabe und Opferbereitschaft in den Diensten der Mannschaft ist schlicht nicht möglich. Im Jahr 2012 beendete mit ihm einer der Großen des deutschen Fußballs seine Karriere. Seine Verdienste um den deutschen Fußball sind unvergessen. Doch was macht Michael Ballack heute eigentlich?

Sportlicher Werdegang

Michael Ballack wurde am 26.09.1976 in Görlitz geboren. Aufgewachsen ist er vor den Toren von Chemnitz. Sein Vater, selbst ehemaliger Spieler in der Dritten Liga der DDR machte ihm den Sport schmackhaft und meldete ihn bei der BSG Motor „Fritz Heckert“ in Karl-Marx-Stadt, wie Chemnitz seinerzeit hieß an. Schnell wurde man hier auf das außergewöhnliche Talent des damals erst 7jährigen aufmerksam und so erfuhr er eine Förderung auf der Kinder- und Jugendsportschule Karl-Marx-Stadt. Schnell wurde auch hier klar, dass Ballack ein absolutes Ausnahmetalent war. Im Jahr 1995 also erst 18jährig erhielt er seinen ersten Profi-Vertrag beim zwischenzeitlich umbenannten FC Chemnitz. Im Jahr 1997, nach dem Abstieg in die dritte Liga wechselte er zum Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern. Sein damaliger Trainer, Otto Rehhagel führte das Team seinerzeit vom Wiederaufstieg sofort zur deutschen Meisterschaft im Jahr 1998.

Im darauffolgenden Jahr wechselte er zum Liga-Konkurrenten Bayer 04 Leverkusen. Nach 2 Vizemeisterschaften, sowie der bitteren Niederlage im Championsleague Finale gegen Real Madrid im Jahr 2002 wechselte er zum Branchenprimus FC Bayern München. Auch Real Madrid war seinerzeit an der Verpflichtung des Spielers interessiert. Hier begann die große und auch erfolgreichste Zeit des kleinen Beckenbauer, wie man ihn noch zu Chemnitzer Zeiten getauft hatte. Mit dem FC Bayern feierte er drei deutsche Meisterschaften (2003, 2005 und 2006) sowie den dreimaligen Gewinn des DFB-Pokals in den gleichen Jahren. Im Alter von 30 und damit eigentlich schon über den Zenit eines Profis hinweg wagte er den Schritt nach England und schloss sich dem FC Chelsea an. Hier holte er dreimal den englischen Pokal (2007, 2009, 2010), den Ligapokal (2007), den englischen Supercup (2009) und wurde 2010 englischer Meister.
Im WM-Jahr 2010 wechselte er zurück zu Bayer Leverkusen, wo er nach zwei Spielzeiten seinen auslaufenden Vertrag nicht mehr verlängerte. Zu einem Gastspiel in Asien oder Amerika kam es nie und so gab er am 02.10.2012 das offizielle Ende seines Profi-Daseins bekannt.

Nationalmannschaft

Michael Ballack absolvierte in der Zeit von 1996 bis 1999 19 Spiele für die deutsche U-21 Auswahl, wobei ihm 7 Treffer gelangen.
Sein Debut in der A-Nationalmannschaft erfolgte am 28.04.99 unter dem damaligen Trainer Erich Ribbeck. Bei der EM 2000 war er noch Ersatzspieler und brachte es hier auf 2 Einsätze. Das Turnier war nach der Vorrunde für Deutschland zu Ende. Die Teilnahme an der WM 2002 war zu großen Teilen ihm zu verdanken. Mit seinen 3 Treffern in den Entscheidungsspielen gegen die Ukraine sicherte er die Reise nach Japan und Südkorea. Deutschland wurde unter Rudi Völler Vizeweltmeister. Die EM in Portugal verlief wieder enttäuschend. Obwohl Ballack nur in der Vorrunde Gelegenheit hatte, sein Können unter Beweis zu stellen, wurde er ins Allstar-Team gewählt. Bei der Heim-WM im Jahr 2006 war Michael Ballack Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft. Deutschland wurde entgegen vieler Erwartungen starker Dritter des Turniers. Die EM 2008 war das letzte große Turnier in der Nationalmannschaft. Die Mannschaft wurde Vize-Europameister. Ballack wurde erneut ins Allstar-Team gewählt. Bei der WM im Jahr 2010 konnte er verletzungsbedingt nicht spielen. Der als Ersatz-Kapitän auserkorene Philipp Lahm erklärte freimütig, dass er nicht gedenke, Ballack die Kapitänsbinde für den Fall seiner Rückkehr ins Team zurückzugeben. Diese Äußerung sorgte nicht nur bei Ballack für Unmut. Der Mangel an Wertschätzung und Rückendeckung seitens des Trainerstabes machten ihn betroffen und er absolvierte kein weiteres Spiel mehr für das deutsche Team.

Der unglückliche Zweite

Wenn der Satz stimmt, dass der zweite der erste Verlierer ist, so ist Michael Ballack heute auch als ewiger Verlierer in Erinnerung. Mit Bayer Leverkusen wurde er zweimal Vizemeister und einmal Vize Championsleague Sieger. Im an Dramatik kaum zu übertreffenden Finale von Glasgow war seine Mannschaft Bayer 04 Leverkusen mindestens ebenbürtig. Doch ein Geniestreich von Zidane und überragende Torwartleistungen verhinderten den Erfolg. Mit dem FC Chelsea wurde er 2008 ebenfalls nur zweiter in der Königsklasse. Im Elfmeterschießen gegen Manchester United verloren die Blues denkbar knapp mit 5:6.
Mit der Nationalmannschaft wurde er just in den Jahren, in denen ihm auf Vereinsebene der ganz große Wurf nicht vergönnt war, ebenfalls nur Zweiter: Im Jahr 2002 bei der WM verlor das Team ohne ihn im Finale gegen Brasilien mit 0:2. Im Jahr 2008 verlor die Nationalmannschaft um ihren Kapitän Michael Ballack das EM-Finale gegen starke Spanier mit 0:1. Berücksichtigt man jedoch die Tatsache, dass Ballack in allen vier Fällen maßgeblich daran beteiligt war, dass das Erreichen dieser Endspiele überhaupt erst möglich war, so ist der verpasste finale Erfolg unter einem ganz anderen Licht zu betrachten.

Michael Ballack heute

Im deutschen TV ist Michael Ballack heute, wenn überhaupt nur in Werbespots zu sehen. Derzeit ist er als Experte und Kolumnist für diverse englische Fernsehsender und Printmedien aktiv. Wer etwas über sein Privatleben erfahren will, der wird höchstens fündig, wenn er dem Social Media Auftritt seiner Freundin Natacha Tannous folgt. Auch, wenn es bereits mehrere Angebote gab, in irgendeiner Funktion sowohl für den DFB als auch für seine früheren Vereine tätig zu werden, so hat er sich diesbezüglich noch zu keiner Zusage entscheiden können. Dies hat nach eigener Aussage zwei Gründe: Zum einen wolle er nach wie vor die neu gewonnene Freizeit nach der aktiven Laufbahn genießen, zum anderen sei ihm noch kein Angebot unterbreitet worden, bei dem ihm sein Gefühl grünes Licht gegeben habe. Auch, der Erwerb einer Trainerlizenz käme für ihn nur in Frage, wenn er denn tatsächlich das Ziel habe, eine Mannschaft zu trainieren. Dass Michael Ballack irgendwann in der einen oder anderen Funktion den Weg zurück zum Fußball finden wird, ist jedoch nicht ausgeschlossen. Wenn ja, wäre er auf jeden Fall eine Bereicherung nicht zuletzt, weil er ein Mann der klaren Worte war und ist.

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Malte
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