Ronaldo im medialen Schatten seines Nachfolgers

Wer sich fragt, was macht eigentlich Ronaldo heute, sollte sich nicht auf das Internet verlassen. Menschen, die den echten Ronaldo noch aktiv haben spielen sehen, fällt das vermutlich nicht schwer, denn sie können sich auch noch an ein Leben ohne Suchmaschinen erinnern. Wer sich jedoch dennoch die Mühe macht, nach dem ehemaligen brasilianischen Nationalspieler zu suchen, wird mit Treffern zu seinem zurzeit noch aktiven Namensvetter aus Portugal zugeschüttet. Doch wer Ronaldo Luís Nazário de Lima, wie er mit vollen Namen heißt, hat spielen sehen, der macht sich gerne die Mühe, nach seinem Verbleib zu recherchieren.

Eine große Veränderung

Ronaldo wuchs in sehr ärmlichen Verhältnissen in Rio de Janeiro auf. Seine Fähigkeiten am Ball entwickelte er zunächst bei der Ausübung des dem Fußball verwandten Futsal. Erst im Alter von 15 Jahren spielte er erstmals Fußball auf einem großen Feld. Nach seiner Station bei Cruzeiro Belo Horizonte und seinem Debut in Brasiliens Nationalmannschaft im Jahr 1994 lockten die großen europäischen Vereine mit ihrem Geld. Summen, mit denen der junge aus bescheidenen Verhältnissen stammende Ronaldo gar nicht umzugehen wusste. Auf Anraten des großen Romario, den er von der Selecao her kannte, wechselte er zunächst nicht etwa zu italienischen Topclubs, die sich seine Dienste sichern wollten, sondern zum niederländischen Club PSC Eindhoven. Die Ablöse betrug 9,5 Mio. DM, was für damalige Verhältnisse ein Rekord war. Jedoch nicht nur das finanzielle Umfeld war eine gravierende Veränderung in Ronaldos Leben. Was ihn am meisten beeindruckt hat, war die Kälte in Europa. Schnee, oder gar gefrorene Trainingsplätze waren ihm bis dahin völlig unbekannt gewesen. Auch die Kultur und die fremde Sprache machten ihm anfangs zu schaffen. Nach eigener Aussage nahm er jedoch all diese Widrigkeiten gerne in Kauf, denn es war sein Ziel, der beste Fußballspieler der Welt zu werden.

Bilder vom pummeligen Ronaldo

Wenn die Frage gestellt wird, was Ronaldo heute macht, werden gerne Bilder gezeigt, wo er mit deutlichem Übergewicht an der Seite seiner ehemaligen Mannschaftskameraden an Benefizspielen teilnimmt. Schnell stellt sich der Verdacht ein, dass er sich nach Beendigung seiner aktiven Karriere ein wenig hat gehen lassen. Jedoch wird man ihm damit nicht gerecht. Denn es ist bekannt, dass er an einer Stoffwechselkrankheit leidet. Diese Krankheit, die Mediziner als Hypothryreose bezeichnen, verlangsamt den Stoffwechsel. In Kombination mit – wie er unumwunden zugibt – unkontrolliertem Genuss von Speisen und das Fehlen des intensiven Trainings welches er als Profi absolvierte, führte zu dieser deutlichen Gewichtszunahme. Doch es spricht für Ronaldos Lernfähigkeit, dass er die Fehler, die ihm diesbezüglich unterlaufen sind, unumwunden zugibt und daraus lernt. Das zeigt sein Auftritt in einer brasilianischen TV-Show, in der es um das richtige Maß beim Essen ging. Hier schaffte er es sogar, 20 KG abzunehmen.

Verletzungen prägen seine Karriere

Dass er überhaupt noch bis zum Alter von 34 Jahren als Profi aktiv war, ist seiner enormen Leidensfähigkeit zuzuschreiben. Denn zahlreiche Verletzungen begleiteten seinen Weg. Beide Knie sind gezeichnet von den Narben unzähliger Operationen. Zwar blieb er von massiven Verletzungen wie Kreuzbandrissen oder Meniskusschäden verschont, dafür waren es bei ihm immer wieder die Sehnen, die ihren Dienst versagten, ausleierten oder gar rissen. Auch andere recht rätselhafte Erkrankungen warfen ihn oft zurück. Zahlreiche Mythen ranken sich um das WM-Finale von 1998. Ronaldo hatte bis dahin eine überragende WM gespielt und bereits 4 Turniertreffer erzielt. Doch am Abend vor dem großen Finale gab es einen Vorfall, zu dem es bis heute keine eindeutig belegten Fakten gibt. Ronaldo soll Krampfanfälle bekommen haben. Die Mitspieler wie sein Zimmerkollege Roberto Carlos fürchteten gar um sein Leben. Der Spieler wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Trainer Mario Zagallo hatte bereits geplant, Edmundo an seiner Statt neben Bebeto aufzubieten. Doch Ronaldo hatte sich eigenmächtig aus der Klinik entlassen und tauchte in der Mannschaftskabine auf. Mitspieler berichten, er solle bleich wie eine Wand gewesen sein. Diesen Zustand präsentierte er leider auch im Spiel vor einem Milliarden-Publikum. Wird Ronaldo auf diesen Vorfall angesprochen, antwortet er nur, dass es keinerlei medizinischen Befund gegeben habe und er deswegen habe spielen wollen.

Ronaldo il Fenomeno

Trotz der erwähnten Verletzungen und Beschwerden legte Ronaldo eine Traumkarriere hin. Nach zwei Jahren in Eindhoven, wo er in 57 Spielen 54 Tore erzielte, war er bereit für die ganz große Bühne des Fußballs. Der FC Barcelona überwies die für damalige Verhältnisse enorme Summe von 30 Mio. DM an den PSV. Bei den Katalanen blieb er nur eine Saison, in der er sich jedoch nachhaltig in die Analen des Vereins eintrug: In 37 Spielen erzielte er 34 Treffer und wurde spanischer Torschützenkönig. Im Finale des UEFA-Pokals der Pokalsieger gelang ihm das entscheidende 1:0 gegen Paris St Germain. Er wurde im selben Jahr zum ersten Mal Weltfußballer, als jüngster aller Zeiten.
Nach Barcelona hieß die nächste Station Inter Mailand. Die Ablöse war wieder einmal ein Rekord mit 50 Mio. DM. Inter hatte damals mit Djorkaeff, Simeone, Zamorano und eben Ronaldo mächtig aufgerüstet um den Konkurrenten AC Milan und Juventus Turin die Stirn bieten zu können. Die angepeilten Erfolge konnte der Verein jedoch nicht zeitigen. Möglicherweise auch, weil Ronaldo während seines Engagements immer wieder vom Verletzungspech verfolgt war und nur im ersten Jahr Tore wie am Fließband schießen konnte.
Nach dem Gewinn der WM 2002, als er Deutschland im Alleingang abfertigte, wechselte er ins Starensemble Real Madrid. Gemeinsam mit Luis Figo und Zinedine Zidane holte er gleich den Weltpokal und wurde gleich spanischer Meister. Im Folgejahr wurde er Torschützenkönig der Primera Divison. Erneut wurde er Weltfußballer. Es sollten insgesamt 5 sehr erfolgreiche Jahre bei den Königlichen werden, bevor es ihn erneut nach Italien zog. Diesmal heuerte er beim AC Milan an. Dies brachte ihm nicht nur den Unmut der Fans von Inter ein, leider blieb ihm auch der Erfolg verwehrt. Die vielen Verletzungen forderten ihren Tribut. Als letzte Station wählte er den Club Corinthians Sao Paolo in seinem Heimatland aus. Hier ließ er seine Karriere im Jahre 2011 ausklingen.

Ronaldo und die Zeit danach

Sein Vater hatte ihn mit Büchergeschenken immer wieder darauf hingewiesen, dass es auch ein Leben abseits des Fußballs gibt. So ist es nicht verwunderlich, dass Ronaldo nach seiner aktiven Zeit im Gegensatz zu anderen großen Spielern nie durch Skandale aufgefallen ist. Im Gegenteil scheint Ronaldo heute eher in sich zu ruhen durch und durch normal geblieben zu sein. Ronaldo betreibt heute neben vielen sozialen Projekten eine Werbefirma. Wie Insider berichten, soll er in finanzieller Hinsicht äußerst umsichtig und erfolgreich agiert haben. Seit kurzem mit 51 Prozent Mehrheits-Eigner des spanischen Renommierklubs Real Valladolid. Möglicherweise erweist sich das Engagement des einstigen Weltstars als Glücksfall für den Verein, der dank Ronaldo immerhin wieder schuldenfrei ist. Ronaldo, der seit 2005 auch im Besitz der spanischen Staatsbürgerschaft ist, will sich künftig als amtierender Präsident des Fußballclubs intensiv um dessen Geschicke kümmern.

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Malte
Moin, mein Name ist Malte und ich bin Fußball Fan aus Leidenschaft! Ich schreibe auf Fußball Früher als Fan für Fans über den Sport, der mich seit meiner Kindheit begleitet. Mein Herz schlägt für die Fußballkultur. Ich freu mich, dass du diese Leidenschaft mit mir teilst!

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