Der Magier unter den Fußballern

Ronaldinho, der Brasilianer mit der auffälligen Zahnstellung ist ein Spieler, der in keine Schublade passt. Wer den internationalen Fußball der letzten Jahre verfolgt hat kennt ihn als scheinbar stets gut gelaunten Spaßfußballer. Man kann sich ausmalen, dass er immer für einen Spaß zu haben war. Bei diesem Schalk wird man als Mannschaftskamerad vermutlich immer in der Gefahr leben müssen, einem seiner Streiche aufzuliegen. Ganz bestimmt jedoch ist es für seine Gegenspieler eine Strafe, gegen ihn spielen zu müssen. Ronaldinho war kein Spieler, der in die heutige Zeit zu passen scheint. In einer Zeit, in der die Mannschaft als Kollektiv immer wieder betont wird, ist jemand wie er ein Paradiesvogel mit Sonderstellung. Er ist Individualität pur. Der viel zitierte Mann, der den Unterschied macht. Sehr zur Freude der Fans, die ihn haben spielen sehen dürfen. So werden sich sicherlich viele fragen: Was macht Ronaldinho heute?

Person und Herkunft

Ronaldo de Assis Moreira wie er mit bürgerlichem Namen heißt, wurde am 21.03. 1980 in Porto Alegre im Brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul. Seine Mutter Dona Miguelina Eloi Assis Dos Santos war Verkäuferin und schulte später zur Krankenschwester um. Sein Vater Joao de Assis Moreira war Hafenarbeiter. Auch er hat aktiv Fußball gespielt und zwar für den Club Esporte Clube Cruzeiro – nicht zu verwechseln mit Cruzeiro Esporte Clube dem Profi-Verein. Ronaldinhos Bruder Roberto war auch Fußballspieler. Als dieser beim Erstligisten Gremio Porto Alegre unter Vertrag genommen wurde, zahlte der Club den Umzug der kompletten Familie in ein besseres Viertel in der Stadt, um Roberto zum Verbleib im Verein zu bewegen. Leider war diesem keine lange Karriere vergönnt, da ihn eine Verletzung zum Aufgeben gezwungen hat. Nachdem die Familie in das neue Haus inclusive Swimming Pool umgezogen war, stieß der Vater sich den Kopf und ertrank in selbigem. Ronaldinho war damals erst 8 Jahre alt. Roberto fungierte später als Ronaldinhos Manager und seine Schwester Deisi wurde seine Pressesprecherin.

Im zarten Alter von 8 begann Ronaldinho bereits seine unglaublichen Fähigkeiten zu entwickeln. Da er des Öftern mit deutlich älteren Spielern Fußball und auch Futsal spielte, und er bei diesen Gelegenheiten meist der Kleinste war, trug ihm dieser Umstand den Spitznamen Ronaldinho also die Verniedlichungsform ein. Im Alter von 13 machte er die Medien nachhaltig auf sich aufmerksam: Bei einem 23:0 Sieg gegen einen örtlichen Rivalen schoss er alle 23 Tore.

Sportlicher Werdegang

Den ersten organisierten Fußball spielte Ronaldinho in der Jugendmannschaft des Vereins Gremio Porto Alegre. Unterbrochen wurde diese Station durch einen Aufenthalt in der Schweiz, wo sein Bruder Roberto beim FC Sion spielte. Ronaldinho spielte während dieses Jahrs (1993 bis 1994), das als Sprachreise gedacht war, bei der C-Jugend des Vereins. Nach dem Jahr in der Schweiz kehrte er zurück zu seinem Heimatverein wo er 1997 einen Profivertrag erhielt.

Im Jahr 2001 wagte er den Sprung nach Europa. Zunächst unterschrieb er einen 5-Jahresvertrag bei Paris St Germain. Hier hielt es ihn jedoch nur bis zur Saison 2003/2004. Der FC Barcelona war auf sein außergewöhnliches Talent aufmerksam geworden und sicherte sich seine Dienste. Ronaldinho sollte den damals eher im Mittelmaß darbenden Club zu neuen Erfolgen verhelfen. 2004/2005 wurde Barca Meister in der Primera Division, ebenso wie in der darauffolgenden Saison. In beiden Jahren wurde er auch jeweils zum Weltfußballer des Jahres gekürt. Dass er im Classico gegen den Erzrivalen Real Madrid 2 Tore zum 3:0 Endstand beigesteuert hat, werden ihm die Barca-Fans nie vergessen. Selbst der Gegner brachte ihm stehende Ovationen entgegen. Eine Ehre, die vor ihm nur einem Spieler zuteil geworden war: Diego Maradona. In der gleichen Saison also im Jahr 2006 gewann er mit dem FC Barcelona die Champions League. In diesem Wettbewerb gelangen ihm 7 Treffer. Die beiden darauffolgenden Saisons verliefen nicht ganz so erfolgreich.

Auch Ronaldinhos Leistungen ließen nach und so plante man die Saison 2008/2009 ohne ihn. Der AC Mailand ließ sich seine Verpflichtung 25 Millionen Euro kosten. In der ersten Saison brachte er nur mäßige Leistungen zustande, was sich jedoch in der zweiten Saison deutlich ändern sollte. Doch einige Umstellungen im Team sorgten dafür, dass er in der Rückrunde der Saison kaum noch zu Einsätzen kam. 2011 zog es Ronaldinho dann wieder zurück in die Heimat. Bei Flamengo Rio de Janeiro hoffte er wieder in Form zu geraten und regelmäßig spielen zu können. Durch gute Leistungen wollte er sich schließlich für die WM 2014 empfehlen, nachdem er bei der WM 2010 in Südafrika zum Zuschauen verdammt gewesen war. Es folgten ein weiterer Wechsel zu Atletico Mineiro im Jahr 2012. Hier durfte er mit seinem Team die Meisterschaft feiern. 2014 zog es ihn ein letztes Mal ins Ausland. Sein Arbeitgeber diesmal der mexikanische Club Queretaro Futbol Club. Auch dieses Gastspiel dauerte nicht lange. Sein letzter offizieller Club war nun der brasilianische Club Fluminense Rio de Janeiro. Es folgten kuriose Kurzauftritte bei diversen Clubs, als man ihn zu Spielen buchen konnte.

Nationalmannschaft

Als er mit der U17 Brasiliens im Jahr 1997 die WM gewann, haben viele Experten einen neuen Stern am Fußball-Himmel aufgehen sehen. Sie sollten Recht behalten. Im Jahr 1999 debutierte er in der Selecao. Mit 22 nahm er an der WM 2002 in Japan und Südkorea teil, wo die Mannschaft gegen Deutschland Weltmeister wurde. Unvergessen hier der sehenswerte Freistoß im Viertelfinale gegen England: Aus ca 40 Metern zog er aus halbrechter Position ab und der Ball senkte sich unhaltbar über den unglücklichen David Seaman hinweg ins lange Eck.

Ein besonderer Typ

Wer sich fragt, was Ronaldinho heute macht, dem kann getrost geantwortet werden: Das, was er schon immer gemacht hat. Zeitlebens hat er das Leben als einzige Party empfunden und entsprechend zelebriert. Wer ihn zu seiner aktiven Zeit auf dem Trainingsplatz gesucht hat, hat ihn dort vermutlich allzu oft nicht angetroffen. Undiszipliniertheiten und sein Hang zum exzessiven Feiern wurden ihm bereits zu seiner großen Zeit beim FC Barcelona nachgesagt. Dies sollte sich in seiner weiteren Karriere nicht nur fortsetzen, sondern sogar noch erheblich steigern. So wurde in seiner Zeit beim AC Mailand berichtet, dass er einmal 3 Tage am Stück durchgefeuert habe. Die Kosten hierfür sollen sich auf 75.000 Euro belaufen haben. Ronaldinho war von seiner Lebensweise her alles andere als ein moderner Profi. Laktatwerte und ähnliche Dinge scheinen ihn nicht sonderlich interessiert haben. Statt Fitness und einen professionellen Umgang mit Trainern und seinem eigenen Körper konnte dieser Spieler aber etwas mindestens genauso Wertvolles in die Waagschale werfen: Spiel- und Lebensfreude. Vermutlich sind es diese Dinge, die ihn zu dem gemacht haben, was er war. Seine einzigartigen Momente verdankte er nicht intensivem Training, sondern seiner Intuition. Seiner unglaublichen Verbindung zum Spielgerät. Hätte man ihm diese Spielfreude genommen, indem man ihn in ein enges Korsett aus Trainingsplänen und Diszipliniertheit gezwängt hätte, hätte es all die Traumtore, Traumpässe und Unglaublichkeiten, die er zu leisten vermocht hatte, nie gegeben. Und ebenso, wie er oft selbst nicht zu wissen schien, was er im nächsten Moment auf dem Platz anstellen würde, wussten es seine Gegner ohnehin nie. Was Ronaldinho heute oder in Zukunft macht, wird vermutlich mit Lebensfreude, Samba und viel Lachen zu tun haben. Es wäre ihm zu wünschen.

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Uwe
Hallo zusammen, ich heiße Uwe. Fußball spiele ich jetzt zwar schon seit einigen Jahren nicht mehr, doch dafür gehe ich umso lieber ins Stadion. Ich schreibe auf Fußball Früher über die Geschichte des Sports und die Spieler, die ihn so großartig machen. Ich freue mich immer, wenn ich meine Leidenschaft mit anderen teilen kann. Denn Fußball ist vor allem eines: Teamsache!

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